Krähkästchen · Juni 2026

Du bist nie allein

Berlin und die ECMC

#M aus Mailand · Read in English

Als Kurierin aus Italien nach Berlin zu kommen, ohne jemals zuvor hier gewesen zu sein und zunächst niemanden zu kennen, kann einen überraschen und ein wenig desorientiert zurücklassen; aber zum Glück ist die Community der Fahrradkurier*innen sehr stark und immer bereit, einen willkommen zu heißen. Wahrscheinlich weil wir am Ende des Tages alle unter derselben Sonne oder im selben Regen in die Pedale treten, selbst wenn unsere Straßen verschieden sind.

Ich hatte auch nicht geplant, an der ECMC (European Cycle Messenger Championship, siehe KuK 05/2026) teilzunehmen, und doch fand ich mich mittendrin wieder. Alles begann damit, dass einige meiner Freunde von Milano City jemanden brauchten, der Liquid Roads (ein WTNB* Cycling Collective) bei diesen Meisterschaften vertreten sollte. Die Aufgabe war einfach: einen der Checkpoints während des Hauptrennens betreuen!

Das bedeutete: früh morgens aufstehen, um den Parcours auf dem Tempelhofer Feld vorzubereiten, Menschen suchen, weil man nicht weiß, wohin man soll, Absperrungen und Tische mit den Fahrrädern umstellen, verschiedene logistische Hürden überwinden, gegen den Wind kämpfen – und dann endlich der Start des Rennens!

Man könnte sich zu Recht fragen, warum man sich das alles antut für etwas, das die Arbeit simuliert, die wir jeden Tag auf der Straße erledigen. Ich weiß es nicht genau, aber was wir hier tun, bereitet uns eindeutig Freude; es macht uns sichtbar. In diesem Moment wartet kein Kunde auf uns und kein Gehaltsscheck – es ist einfach unser Spiel.

Wir sind alle zusammen, helfen einander, damit ein Moment entstehen kann, der uns repräsentiert – einer, in dem wir jene Werte wiedererkennen, die uns vielleicht dazu gebracht haben, diesen Beruf zu wählen. Es sind nicht nur vier Tage voller Rennen, sondern eine Gelegenheit, zusammenzukommen, Ansichten auszutauschen, Ideen und Gedanken darüber zu teilen, was um uns herum geschieht.

Ich habe so viel aus dieser Erfahrung mitgenommen, aber vor allem habe ich erkannt: egal, in welche Richtung man auf dem Tempelhofer Feld fährt – man hat immer den Wind gegen sich.

#M wird bis Ende August Teil von CROW Courier sein, einer von Mitarbeitern geführten Kurierkooperative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Autos durch Fahrräder zu ersetzen. Konkret geht es darum, die Lebensqualität für alle durch Lieferungen mit Lastenrädern und Fahrradreparaturen zu verbessern – ganz ohne Chefs. Infos unter crowberlin.de