Krähkästchen · Februar 2026

Statusabfrage

Wie geht's uns?

#02 El Niño · Read in English

»Frohes Neues! Man darf doch noch, oder?« – »Danke, auch ganz ok, und selber?« – »Froh, dass das Jahr vorbei ist, wa? Jaha, oh Mann ey, ich auch! So wie siehts denn aus?«

Naja, es gibt Fortschritte, das stimmt schon: mehr Radwege, Kiezblocks, Fahrradstraßen. Immer mehr Menschen steigen aufs Rad um; das ist gut fürs Klima, den Verkehr und die Lebensqualität. Doch die Realität hinkt hinterher. Seit 10 Jahren fahre ich als Radkurier durch Berlin und beobachte, wie der Ausbau stockt. Budgets werden gekürzt und viele Radwege enden plötzlich oder sind so schlecht geplant, dass sie gefährlich sind.

Warum das alle betrifft? Eine fahrradfreundliche Stadt ist eben nicht nur für Radfahrer gut. Autos verursachen enorme Kosten. Straßenreparaturen, nötig geworden durch die Vielzahl immer schwerer werdender Fahrzeuge, Abgase, die unsere Gesundheit belasten und Unfälle, die das Gesundheitssystem und die betroffenen Menschen mitunter sehr teuer zu stehen kommen. Parkplätze? Privater Besitz auf öffentlichem Raum, für den alle zahlen.

Weniger Autos bedeuten weniger Staus, weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Platz für alle. Kinder können sicherer spielen, Cafés können ihre Tische auf die Straße stellen, und die Luft wird sauberer. Doch statt konsequent umzubauen, wird halbherzig geplant. Die Politik feiert kleine Minimalerfolge als etwas ganz Großes, während Aktivisten und Gruppen wie Changing Cities oder der ADFC weiter für sichere Radwege kämpfen müssen. Berlin könnte Vorreiter sein, ein strahlendes Vorbild mit seinen einzigartigen Möglichkeiten und weiten und breiten Straßen, doch dazu braucht es mehr Tempo, mehr Geld und vor allem: mehr Willen. Wir wollen und brauchen eine Stadt, die Radfahrende schützt. Nicht nur weil es fair ist, sondern weil es für alle besser ist: die Umwelt, den Geldbeutel, die Gesundheit.

Also: Druck machen, drüber reden, mitfahren, fordern! Denn eine bessere Stadt ist möglich, und wir könnten es alle besser haben. Ohne Milliardäre und mit weniger Autos, dafür mehr für alle. Und immer dran denken, wenn sich irgendwas ungerecht anfühlt: Trickle down geht nur, wenn's oben schmilzt!

Fahrradkurier »El Niño 02« gehört zu CROW Courier, die Lieferautos durch Lastenräder ersetzen und damit zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt beitragen. Der autofreie Berliner Kurierdienst fördert zudem eine kooperative Arbeitsweise. Infos unter crowberlin.de