Nachdem viel über den neuen Teilabschnitt der A 100 berichtet wurde, hatte ich selbst endlich die Gelegenheit, dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst zu befahren und quasi von innen heraus zu bestaunen. Und was soll ich sagen? Es ist wirklich beeindruckend!
Die technischen Herausforderungen, die hier bewältigt wurden waren offensichtlich enorm. Brücken, Tunnel, Verkehrsleitsysteme, Auf- und Abfahrten, Schallschutzwände … Allein schon die logistische Planung der Baustelle sprengt die Vorstellungskraft des Nichtingenieurs. Dieses Megaprojekt ist ein absolut beeindruckendes Zeugnis menschlicher Schaffenskraft.
Nachdem ich dieses 3,2 Kilometer lange Opus Magnum der parteiübergreifenden Berliner Stadtplanung hinter mir gelassen hatte, beschlich mich allerdings eine vage bekannte Frage aus der Vergangenheit. Ein Echo einer Frage, die mich das letzte Mal ereilte, als ich in den USA einen stillgelegten Flugzeugträger besuchte. Was für ein Koloss das war! Produkt einer unfassbaren Menge an Zeit, Material, Energie und Talent. Sehr viele, sehr intelligente Menschen waren an dessen Erschaffung beteiligt. Eine Zerstörungsmaschine sondersgleichen.
Die Frage von damals, die nun zwischen den Schallschutzwänden widerhallte, war: Was für Utopien wären mit all diesen Ressourcen machbar?
Am Beispiel Paris sieht man gerade in Realtime, was möglich ist, wenn man beschließt, Autozentrismus hinter sich zu lassen.
Forschungsergebnisse bestätigen schon lange das Konzept der induzierten Nachfrage und zeigen, dass eine erhöhte Straßenkapazität zu mehr Fahrzeugverkehr führt. Ein gewisser J. J. Leeming hat das schon 1969 erkannt.
Berliner Stadtplaner lassen sich von den Meinungen solcher Extremisten zum Glück nicht beirren: Just one more lane, bro!
Was für Utopien wären mit all diesen Ressourcen machbar?
Mit dieser Frage ließ ich 3,2 Kilometer deprimierende Sinnlosigkeit hinter mir.
Die Baumeister, die diese Leistung vollbracht haben, haben das größte Denkmal Berlins in Beton gegossen. Quer durch ein ganzes Stadtviertel.
Für ein Jahrhundertdenkmal reicht das aber noch nicht. Abschnitt 17 wird es richten. Ein Denkmal für die Ignoranz.
Wer braucht schon Utopien?
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