Ich träumte, dass ich bei der Arbeit auf einer Bank döste. Überall um mich herum waren Cafés, die Americano, Flat White, Cortado und Espresso servierten. Käsespezialisten, die Käse mit Namen herstellen, die man nicht mal aussprechen kann, aber die Milch stammt von Kühen, die einen persönlichen Masseur haben. Ich hörte das Geplapper frischer, hipper Leute, die Hafer-Flat-Whites schlürften und darüber sprachen, woher sie ihre Bräune hatten.
Es ist wunderbar, dass es in Berlin so viele Menschen gibt, die genug Geld haben, um sich einen Lebensstil zu leisten, der nicht nur erfüllend ist, sondern auch gut für die Umwelt. Die dieses Schlürfen von Fair-Trade-Kaffee unterstützen können, und das ohne schlechtes Gewissen, denn sie haben 6 Euro für ihren Kaffee bezahlt, der vom anderen Ende der Welt kommt.
Um etwas Gutes für die Welt zu tun, muss man auch dafür bezahlen. Dazwischen sind wir, die Fahrradkurier*innen. Wir liefern fair (teuer) bepreiste Naturprodukte dorthin, wo sie konsumiert werden. Aber ist es fair, dass wir als dazwischen stehende Transporteur*innen uns ständig Sorgen machen müssen, ob wir unsere Miete bezahlen können? Dass wir krank werden?
In meinem Traum wachte ich auf und rief: »Was ist mit uns? Welchen Teil des Kuchens bekommen wir? Unsere Bräune hat seltsame Ränder und brennt wie Sau!«
In einer Stadt wie Berlin, in der Luxus und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen, werden diejenigen, die diesen Lebensstil möglich machen, oft vergessen. Wir liefern Ihr Biobrot und Ihre Naturweine aus, doch unsere Arbeitsbedingungen sind weit entfernt von dem glamourösen Umfeld, in dem wir arbeiten.
In meinem Traum habe ich Gerechtigkeit gefordert, in der Realität müssen wir sie weiterhin einfordern. Damit eine nachhaltige Zukunft möglich ist, muss sie für alle nachhaltig sein. Es reicht nicht aus, 6 Euro für einen Kaffee zu bezahlen, wenn die Menschen, die die Bohnen an Ihren Tisch liefern, kaum von ihrem Lohn leben können. Gerechtigkeit beginnt damit, dass man die unsichtbaren Hände anerkennt, die die Gesellschaft zusammenhalten.
Wenn Sie also das nächste Mal Ihren 6-Euro-Hafercappuccino schlürfen, denken Sie darüber nach, warum er so teuer ist und warum er nicht teurer ist.

